Jeder kennt die berühmten PR-Wanderungen auf Madeira: die PR1 von Pico do Arieiro nach Pico Ruivo, die PR6 Levada das 25 Fontes, die PR8 Ponta de São Lourenço … wunderschön, aber oft auch echtes „Stauwanderern“. Hast du genug von Selfiesticks und großen Gruppen und möchtest die ruhige, ursprüngliche Seite Madeiras entdecken? Dann ist dieser Beitrag genau richtig für dich. Hier findest du weniger bekannte Wanderungen abseits der PR-Routen auf Madeira – ohne Menschenmassen, dafür mit Natur, Weitblick und dem Gefühl, wirklich auf Entdeckungstour zu sein.
Warum gerade die unbekannten Wanderungen auf Madeira?
Madeira verfügt über 2.000 bis 3.000 Kilometer Wanderwege – unglaublich viel für eine Insel dieser Größe. Während die bekanntesten Routen inzwischen stark frequentiert sind, gibt es noch unzählige Wege, die kaum jemand kennt. Die PR-Wanderungen sind gut ausgeschildert und inzwischen teilweise reglementiert, doch wer den Andrang und feste Zeitfenster meiden möchte, muss ein wenig weiter suchen.
Genau dort liegt der Reiz: Es ist ruhiger, du hörst Vögel statt Stimmengewirr und manchmal begegnest du stundenlang niemandem. Klar, das erfordert etwas mehr Vorbereitung. Wegweiser sind oft rar, Google Maps führt dich nicht immer richtig und ein Café mit Kaffee und Pastel de Nata gibt es unterwegs meist nicht. Aber genau das macht den Reiz aus. Außerdem sind viele dieser Wanderungen kostenlos, denn nur für die offiziellen PR-Routen wird eine Gebühr erhoben.
Sechs Wanderungen auf Madeira, die noch nicht jeder kennt
Levada do Alecrim – die ruhige Alternative zu den 25 Fontes
Rabaçal ist fast immer gut besucht, denn alle wollen zu den berühmten 25 Fontes. Was viele nicht wissen: Parallel verläuft die Levada do Alecrim. Hier ist es deutlich ruhiger – und dennoch erreichst du mit der Lagoa Dona Beja ein echtes Naturhighlight. Ein klarer Bergsee, in dem man an warmen Tagen sogar die Füße ins Wasser halten kann.
Die Wanderung ist mit rund 7 Kilometern nicht lang und perfekt für einen halben Tag. Der Weg führt durch Farne, Blumen und grüne Felslandschaften. Wenn die Sonne durchbricht, wirkt alles fast unwirklich grün – als hättest du einen geheimen Zugang zu einem Ort entdeckt, den sonst nur Einheimische kennen.
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Levada do Rei – eine unterschätzte Wanderung im Norden
In Santana an der rauen Nordküste liegt die PR18 Levada do Rei. Diese Wanderung fühlt sich an wie ein Spaziergang durch eine Filmkulisse: Farne, Moose und jahrhundertealte Lorbeerbäume bestimmen das Bild. Die Luft ist feucht, oft liegt Nebel in den Wäldern, und du hörst fast ausschließlich das Plätschern des Wassers.
Die Strecke ist etwa 10 Kilometer (hin und zurück) und in rund drei Stunden gut machbar. Das schönste Stück wartet am Ende: ein Abschnitt Laurissilva-Wald, der direkt aus Jurassic Park stammen könnte – nur ohne Dinosaurier.
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Levada Nova – panoramisch und abenteuerlich
Die Levada Nova bei Ponta do Sol ist länger, bietet dafür aber viel Abwechslung. Du wanderst vorbei an Zitrusbäumen und landwirtschaftlichen Terrassen, mit ständigem Blick auf den Atlantik. Unterwegs durchquerst du einen Tunnel – und der ist wirklich stockdunkel. Eine Taschenlampe ist hier kein Extra, sondern Pflicht.
Mit bis zu 15 Kilometern ist diese Route deutlich weniger besucht. Sie fühlt sich wie eine kleine Expedition an: fordernd, abwechslungsreich und genau richtig für alle, die ein bisschen Abenteuer suchen, ohne sich komplett zu verausgaben.

Pináculo e Folhadal – unser absoluter Favorit
Die PR17 Caminho do Pináculo e Folhadal gehört zu den abenteuerlichsten Wanderungen auf Madeira. Die rund 15 Kilometer lange Route dauert etwa 6,5 Stunden und führt durch den geschützten Laurissilva-Wald, vorbei an Levadas, durch Tunnel und zu spektakulären Aussichtspunkten.
Gestartet wird bei Lombo do Mouro an der ER105. Du folgst unter anderem der Levada da Serra und der Levada do Norte und verlässt diese immer wieder, um über alte, gepflasterte Wege zu wandern, die viel über die Geschichte der Insel erzählen.
Das Highlight ist der Blick vom Pináculo über das Tal von Ribeira Brava, mit Pico Ruivo und Pico do Arieiro im Hintergrund. Später sorgen Tunnel, Wasserfälle und das raue Folhadal-Gebiet für echtes Abenteuer. Anspruchsvoll, aber unvergesslich.

Boca do Risco – eine geheime Küstenwanderung
Zwischen Machico und Porto da Cruz verläuft ein Küstenpfad, den noch längst nicht jeder kennt: der Boca do Risco Trail, Teil der Vereda do Larano. Du wanderst hier entlang steiler Klippen, während der Atlantik hunderte Meter unter dir gegen die Felsen schlägt. Die Aussicht ist spektakulär – mindestens so beeindruckend wie bei Ponta de São Lourenço, nur mit deutlich weniger Menschen.
Der Weg ist technisch nicht schwierig, aber schmal. Wer Höhenangst hat, sollte sich darauf einstellen. Für alle anderen ist dies eine der schönsten Küstenwanderungen auf Madeira.
Levada dos Maroços – die Mimosa-Wanderung
Zum Abschluss etwas ganz Lokales: die Levada dos Maroços bei Machico. Diese Route wird auch „Mimosa-Wanderung“ genannt, da du zur richtigen Jahreszeit durch ein Meer aus gelben Blüten läufst. Du hast ständig Blick auf Machico und die umliegenden Berge und triffst hier vor allem Einheimische, die mit ihren Hunden unterwegs sind – keine Touristengruppen.
Die Strecke ist mit etwa 6 Kilometern kurz und entspannt, perfekt für eine gemütliche Morgenwanderung. Danach Mittagessen in Machico und ein Sprung ins Meer – perfekter geht ein Tag kaum.
Praktische Tipps für unbekannte Wanderungen auf Madeira
Wer abseits der bekannten Wege unterwegs ist, sollte etwas besser vorbereitet sein.
Transport: Viele Startpunkte liegen abgelegen. Mit einem Mietwagen bist du am flexibelsten, Taxis sind aber ebenfalls praktisch – besonders bei One-Way-Wanderungen.
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Navigation: Die Beschilderung ist oft spärlich. Apps wie Maps.me oder AllTrails sind extrem hilfreich. Lade dir die Routen unbedingt offline herunter, denn der Empfang in den Bergen ist unzuverlässig.
Ausrüstung: Eine Regenjacke gehört immer in den Rucksack – auch bei Sonnenschein. Das Wetter auf Madeira ändert sich je nach Mikroklima sehr schnell.
Tunnel: Viele Levada-Wanderungen führen durch Tunnel. Eine echte Taschenlampe ist besser als das Handy, schon allein um Akku zu sparen.
Essen & Trinken: Abseits der PR-Routen gibt es unterwegs meist keine Verpflegung. Nimm ausreichend Wasser und Snacks mit. Ein Pastel de Nata im Rucksack hebt die Stimmung – bei dir und bei deinen Mitwanderern.




